Frostige Zeiten
von Peter Horstmann

Das Väterchen fröstelt,
der Wind pfeift ums Haus.
Der Holzvorrat neigt sich,
die Hauswände auch.
Er stopft sich die Pfeife,
zieht die Stirn kraus,
liest Liste um Liste
wird nicht schlau daraus.

Die Kinder wollen Lego,
X-Men und Stuss.
Er hat nur Matroschkas,
Rüben und Mus.
Geplagt von Embargos,
kaum noch zu retten,
schielt er rüber zum Nachbarn,
dem maßlosen, fetten.

Denn sein Vetterchen lebt
auf ganz großem Fuß;
kauft sich Liebe mit Geld,
Geschenken und muss
selber dafür
keinen Finger verrenken.
Leibeigene schuften,
Ketten an Gelenken.

Er hält sie als Geiseln
zwischen Gletschern und Eis,
kein Ausweg erkennbar,
getreten zu Fleiß.
Sind seine Lehnsherrgebaren
auch lange bekannt,
hält er nun einen weiteren
Trumpf in der Hand.

Ein Kind der Familie
mit lockigem Haar,
und roten Bäckchen
war Jahr um Jahr
bemüht allen Kindern
kleine Freuden zu schenken
und bedachte sie
mit raffinierten Präsenten.

Die Beliebtheit des Kindes
missfiel dem Greis.
Das Kind war verschwunden,
verschwunden im Eis?
Es dauert nicht lange,
man wird es vergessen.
Die Geschenke kommen weiter
Er hat die Adressen.

Väterchen macht sich
so seine Gedanken.
Auch er hat kaum Skrupel
auch er wird bald handeln.
Ihm stehe ja zu,
was er begehrt,
und falls notwendig
sei Gewalt nie verkehrt.

Das Fell des Bären,
was er bald erlangt,
gedenkt er zu teilen
und sichert sich dann
die Gunst des Volkes,
bevor Vetterchen kann.

Doch am Ende wird keiner zufrieden sein:
das Christkind am heiligen Abend allein.
Jeder für sich im Kerzenschein,
sitzen Väterchen Frost und Santa daheim.

Was Teile der Welt schon lange wissen,
werden diese zwei noch begreifen müssen:
Gibt sie auch Befriedigung in Ergüssen,
auf Dauer ist käufliche Liebe beschissen.


CIMG0961Peter Horstmann, Wahlhanseat und Exilwestfale, 86er Jahrgang, studierte hier und da und meistens Rechtswissenschaften. Hat oft gute Ideen, vergisst sie allerdings noch öfter. Was er behält, bringt er zu Papier. Dieses Jahr veröffentlichte er auf 54books erstmalig Werke seiner fortlaufenden Sammlung „Animalische Alliterationen“.