Mademoiselle Seekuh
von Tobias Premper

 Wir haben uns lange Schnurrbärte gezüchtet und unsere Seekuh ans Meer entführt. Badehosen haben wir nicht gebraucht, unsere Seekuh hat darauf bestanden und ist selber auch so gekommen, wie sie der große Seekuhgott geschaffen hat. Zuerst haben wir „King Kong und die weiße Frau“ gespielt, also planschen und nassspritzen erlaubt, aber nicht grabschen oder am Nippel saugen. Als dann die ganzen Dackel und Pinscher von ihren Hurrapatrioten nach Hause getragen wurden, hat sich alles erfüllt, wovon wir immer geträumt haben: Unsere Seekuh hat uns an ihrem Busen Schlummi machen lassen, und dann hat sie uns ersäuft.


Vita-tpTobias Premper (*1974 in Celle) lebt in Berlin. Grenzgänger zwischen Literatur und Kunst. Schreibt Prosa und experimentiert mit Text-Bild-Kombinationen in seinen sogenannten „Boxenbüchern“. Zuletzt: „Das ist eigentlich alles“ (Steidl, 2012) und „Durch Bäume hindurch“ (Steidl, 2013). Mademoiselle Seekuh ist in der aktuellen Ausgabe des Literaturmagazins „Poet“ erschienen.